Baylissite

K2Mg(CO3)2·4H2O

Baylissit ist ein sehr seltenes, wasserlösliches hydratisiertes Karbonat, K₂Mg(CO₃)₂·4H₂O, das erstmals in einem Alpentunnel in der Schweiz beschrieben wurde.

Überblick

Baylissit ist ein sehr seltenes hydratisiertes Kalium-Magnesium-Carbonat. Es wurde aus einem Alpentunnel in der Schweiz beschrieben und wird von Sammlern seltener Carbonate eher als Kuriosität denn als Ausstellungsmineral geschätzt. Da es wasserlöslich ist und sich in feuchter Luft zersetzt, ist Baylissit zerbrechlich und schwer zu konservieren, was zu seiner Seltenheit in Sammlungen beiträgt. Es ist nach dem australischen Chemiker Sir Noel Stanley Bayliss benannt, der das synthetische Äquivalent der Verbindung untersuchte, bevor diese in der Natur entdeckt wurde.

Zusammensetzung und Struktur

Baylissit hat die Formel K₂Mg(CO)·4HO, ein Doppelcarbonat aus Kalium und Magnesium mit vier Molekülen Kristallwasser. Der Wassergehalt ist für die Struktur unerlässlich, und sein Verlust führt dazu, dass das Mineral außerhalb feuchter, geschützter Umgebungen instabil wird. Es ist monoklin und neigt dazu, farblose, transparente Kristalle zu bilden. Chemisch gehört es zu einer kleinen Familie hydratisierter alkalihaltiger Karbonate, einer Gruppe, zu der auch Arten wie Gaylussit und Eitelit gehören, die alle auf wasser- und alkalireiche Bedingungen angewiesen sind, um sich zu bilden.

FormelK₂Mg(CO₃)·4HO
KristallsystemMonoklin
Mohshärte2 bis 3
GlanzGlasartig
FarbeFarblos
TyplokalitätGerstenegg-Sommerloch-Tunnel, Bern, Schweiz

Entstehung und Vorkommen

Baylissit bildet sich in wasserreichen Umgebungen mit niedrigen Temperaturen, in denen kalium-, magnesium- und karbonathaltige Lösungen auskristallisieren können, ohne weggespült zu werden. An seiner Schweizer Typlokalität wurde es in einem Wasserkrafttunnel durch das Grimselgebiet des Aare-Massivs gefunden, wo es sich als zartes Sekundärmineral in Spalten bildete. Die gleiche Abhängigkeit von dauerhaft feuchten, alkalischen Bedingungen hat zu Funden an einigen wenigen anderen Standorten geführt, darunter in Höhlen- und Grundwasserumgebungen in anderen Teilen Europas und in Russland. In allen Fällen handelt es sich um eine zerbrechliche Sekundärphase und nicht um ein primäres gesteinsbildendes Mineral.

Bestimmung und ähnliche Arten

Baylissit ist an weichen, farblosen, transparenten Kristallen mit glasartigem Glanz und einer geringen Härte von etwa 2 bis 3 zu erkennen. Seine charakteristischste Eigenschaft ist praktischer Natur: Es löst sich in Wasser auf und zersetzt sich in feuchter Luft – ein Verhalten, das es von vielen oberflächlich ähnlichen farblosen Karbonaten und Sulfaten unterscheidet. Ohne sorgfältige Handhabung kann es mit anderen löslichen Alkalicarbonaten geringer Härte verwechselt werden, sodass eine sichere Bestimmung in der Regel auf chemischen oder Röntgenanalysen in Verbindung mit der Kenntnis der Herkunft des Exemplars beruht.

Bedeutende Fundorte & Sammlung

Der Gerstenegg-Sommerloch-Tunnel im Kanton Bern in der Schweiz ist die Typlokalität und die klassische Fundquelle. Es wurde über eine geringe Anzahl weiterer Vorkommen berichtet, doch verifizierte Exemplare sind überall rar. Für Sammler gehört Baylissit zu den anspruchsvolleren seltenen Karbonaten: Es muss trocken und luftdicht aufbewahrt werden, um erhalten zu bleiben, und eignet sich am besten für Spezialisten, die eine kontrollierte Lagerung gewährleisten können. Echtes Material ist auf dem Markt selten und wird in der Regel über spezialisierte Händler für seltene Mineralien vertrieben.