Überblick
Caminit ist ein seltenes Magnesiumhydroxid-Sulfat-Hydrat-Mineral mit ungewöhnlicher Entstehungsgeschichte: Es bildet sich auf dem Tiefseeboden in den Kaminen von „Black Smokers“ an hydrothermalen Quellen. Es wurde 1986 am Ostpazifischen Rücken bei 21° N beschrieben, wo es in den Kaminwänden mit Anhydrit verwachsen vorfiel, das sich um heiße Quellflüssigkeiten herum abgesetzt hatte. Sein Name leitet sich vom lateinischen Wort „caminus“ ab, was „Kamin“ bedeutet – ein direkter Hinweis auf die Strukturen, in denen es wächst. Caminit ist eher von wissenschaftlichem als von dekorativem Interesse und auf dem Sammler- und Edelsteinmarkt so gut wie nicht vertreten.
Zusammensetzung und Struktur
Caminit ist ein hydratisiertes Magnesiumsulfat, das zudem Hydroxylgruppen enthält, mit der ungefähren Formel Mg₇(SO₄)₅(OH)₄·H₂O; die Zusammensetzung ist variabel, und die Struktur lässt eine Bandbreite an Verhältnissen von Magnesiumsulfat zu Hydroxid zu. Es kristallisiert im tetragonalen System. Mikroskopisch bildet es eher kleine Körner als die großen, wohlgeformten Kristalle, wie man sie von Sammlermineralien kennt, was mit einer schnellen Ausfällung durch Abkühlung und Vermischung von Flüssigkeiten im Einklang steht.
| Formel | Mg₇(SO₄)₅(OH)₄·H₂O (variabel) |
| Kristallsystem | Tetragonal |
| Mohshärte | Etwa 2,5 |
| Glanz | Glasartig (meist als feine Körner) |
| Farbe | Farblos bis weiß |
| Typlokalität | Ostpazifischer Rücken, 21° N, hydrothermales Unterwasser-Quellfeld |
Entstehung und Vorkommen
Caminit fällt aus, wenn kaltes, magnesium- und sulfatreiches Meerwasser in den Meeresboden gesaugt und innerhalb eines aktiven hydrothermalen Systems erhitzt wird. Laborversuche hatten vorausgesagt, dass sich aus erhitztem Meerwasser eine solche Magnesiumhydroxid-Sulfat-Hydrat-Phase bilden sollte, und Caminit bestätigte dies in der Natur. Es kristallisiert zusammen mit Anhydrit in den Wänden von Schloten, wo steile Temperaturgradienten zwischen nahezu siedender Quellflüssigkeit und dem umgebenden Meerwasser eine rasche Mineralablagerung bewirken. Da es metastabil ist, könnte es in Zonen mit heißer Meerwasserzufuhr weiter verbreitet sein, als die wenigen bekannten Vorkommen vermuten lassen.
Identifizierung und ähnliche Mineralien
Caminit ist mit bloßem Auge schwer zu identifizieren und wird in der Regel durch Laborverfahren wie Röntgendiffraktion und Elektronenmikrosondenanalyse erkannt. Verwachsenes Anhydrit ist die häufigste Mineralform in der Paragenese, und Caminit lässt sich optisch durch seine geringere Doppelbrechung sowie durch seine Zusammensetzung von diesem unterscheiden. Seine Weichheit von etwa 2,5 auf der Mohs-Skala und sein farbloses bis weißes Erscheinungsbild entsprechen denen eines hydratisierten Magnesiumsulfats, sind jedoch für sich genommen nicht diagnostisch.
Bemerkenswerte Fundorte & Sammlung
Das maßgebliche und bekannteste Vorkommen ist nach wie vor die Typlokalität am Ostpazifischen Rücken, wobei das Mineral eher mit aktiven und kürzlich aktiven submarinen Hydrothermalquellen in Verbindung gebracht wird als mit Landablagerungen. Als Tiefseephase, die ausschließlich im Rahmen ozeanografischer Expeditionen gewonnen wird, ist Caminit für gewöhnliche Sammler nicht erhältlich und im Wesentlichen ein Forschungsmineral. Sein Interesse liegt darin, was es über den chemischen Austausch zwischen Meerwasser und der ozeanischen Kruste an hydrothermalen Schloten verrät.